ADHS – für viele ist das noch immer gleichbedeutend mit „Zappelphilipp“, Unruhe oder mangelnder Konzentration. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt weit mehr als ein Klischee. ADHS ist eine andere Art, Aufmerksamkeit und Energie zu steuern – manchmal chaotisch, manchmal genial, und oft beides zugleich.
Der Alltag mit ADHS – Szenen aus dem echten Leben
Man will nur schnell die Wäsche in die Maschine stecken – und landet plötzlich damit, den Kleiderschrank komplett umzuräumen. Der Schlüssel liegt im Kühlschrank, das Handy im Bücherregal. Termine geraten durcheinander, während im Kopf gleichzeitig fünf neue Ideen entstehen. Für viele Betroffene ist das keine Anekdote, sondern gelebter Alltag.
Neurowissenschaftlich erklärt: ADHS-Gehirne filtern Reize anders und haben eine besondere Dopaminregulation. Das führt dazu, dass Routineaufgaben schwer fallen, während Neues und Spannendes sofort alle Aufmerksamkeit fesselt.
Stärken – das kreative Feuer im Chaos
Menschen mit ADHS haben ein besonderes Talent für:
- 🌟 Kreativität – Ideen sprudeln wie ein Feuerwerk.
- 🌟 Spontanität – schnelles Handeln, oft mit überraschenden Lösungen.
- 🌟 Flexibilität – die Fähigkeit, blitzschnell umzudenken, wenn Pläne sich ändern.
Viele Erfinder:innen, Künstler:innen und Unternehmer:innen berichten, dass genau diese Eigenschaften ihnen den entscheidenden Schub gegeben haben.

Herausforderungen – Struktur als tägliche Baustelle
Doch dieselben Eigenschaften können den Alltag schwer machen. Struktur, Planung und Ordnung sind oft anstrengender als für andere Menschen. To-do-Listen stapeln sich, Rechnungen bleiben liegen, und die Suche nach „dem roten Faden“ kostet jeden Tag Kraft.
Hilfreich sind Strategien wie klare Routinen, digitale Tools oder das sogenannte „Body Doubling“ (eine andere Person arbeitet gleichzeitig an etwas – als stiller Anker). Sie sind keine Wunderwaffen, aber sie können den Funken bändigen, ohne ihn zu löschen.
Persönliche Perspektive:
Ich wusste schon lange, dass irgendwas anders bei mir ist. Spätestens ab dem Moment an, wo ich mich mit meinem Handy (das ich in der Hand hatte) anrufen wollte, weil ich mein Handy nicht gefunden hatte. Oder das ich mein Handy im Gefrierschrank wieder gefunden habe. Das ich immer mal wieder Termine vergessen hatte, oder mich zwischenzeitlich durch Vergesslichkeit in Schwierigkeiten gebracht hatte. All das brachte mich dazu, mich mit dem Thema etwas näher zu beschäftigen. Seit 2022 habe ich die offizielle Diagnose. Ich bin nicht schlechter als andere. Ich bin einfach anders.
Fazit:
ADHS bedeutet nicht nur Chaos, sondern auch Kreativität und Energie. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen Funkenflug und Alltagsorganisation. Wer ADHS hat, trägt eine Herausforderung – aber auch eine Quelle der Lebendigkeit in sich.
👉 Frage an dich: Kennst du das Gefühl, gleichzeitig voller Ideen zu sein – und trotzdem nicht zu wissen, womit du anfangen sollst? Erzähle gern in den Kommentaren von deinen Erfahrungen.


Das kenne ich nur allzu gut, ich bin nicht immer super zappelig und bin auch nicht dieses ,,klassische ADHS“. Ich bin eher verträumt und extrem kreativ. Im einen Moment ein T-Shirt in der Hand, im nächsten Moment eine Idee für eine T-Shirt Kollektion. Oder anderes Beispiel: Du spielst ein Videospiel, räumst dort gerade etwas auf und merkst: ,,Ich könnte auch mal wieder aufräumen….“ Routinen einzuhalten ist auch so ein Thema. Es ist verdammt schwer sich an Dinge zu erinnern die man zu tun hat. Da hilft mir ein Tagesplan (wenn ich denn nicht vergesse raufzuschauen🙈)
Dann bist du anscheinend sehr kreativ. Das finde ich toll. Grade was Mode angeht, bin ich auch sehr experimentierfreudig gewesen. Manchmal immer noch. Und das mit Routinen einhalten kenne ich zu gut.
Manchmal dauert es länger bis etwas klappt. Wichtig ist nur: Nicht aufgeben.
Grüße 🙂
Andrea vielen Dank!
Ich liebe Mode zu entwerfen, zu nähen und zu designen!
Und ich werde so schnell nicht aufgeben, ich liebe es dafür zu sehr 😉
Zu den Routinen: wird wohl noch seeeeeeeeeehr lange dauern. Doch ich bin auch da dran.
Grüße Longhair 🙂
Hallo, ich wollte noch mal was loswerden:
-Es gab ja früher auch mal diese Trennung zwischen ADHS und ADS. machst du Andrea auch nochmal einen Post?
– und noch was anderes: es ist echt doof, dass wenn man anderen von ADHS erzählt, diese gleich denken man sei ,,ein Flumi“, weil das hat bei nicht bei jedem etwas mit ADHS zu tun. Verträumtheit wird dann manchmal einfach zu Seite geschoben und oder abgesprochen. Oder klassische Antwort:,,Man kann auch beides sein“, obwohl man nur verträumt ist.
Woher ich das weiß: eigene Erfahrung.
Longhair